Magnus Ziegler Motorsport
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Kapitel 03 · Block

Honen und Kolbenspiel: warum das Finish über die Laufleistung entscheidet

Von außen sieht ein gehonter Zylinder aus wie ein anderer gehonter Zylinder. Der Unterschied zwischen einem Motor, der nach 5.000 km Öl zieht, und einem, der 200.000 km sauber läuft, entsteht trotzdem genau hier.

Der Zylinder ist nicht rund

Ein gebrauchter Zylinder ist nie mehr zylindrisch. Er ist oben weiter als unten, oval in Richtung der Kolbenseitenkräfte, und ganz oben sitzt die Verschleißkante. Bevor irgendetwas passiert, wird gemessen: mehrere Höhen, jeweils zwei Richtungen. Erst diese Zahlen sagen, ob Honen reicht oder ob gebohrt werden muss.

Ohne Messung ist Honen Kosmetik. Man macht die Oberfläche schön und lässt die Form, wie sie war.

Kreuzschliff und Rauheit

Der Kreuzschliff ist kein Muster, sondern ein Ölspeicher. Die feinen Riefen halten Schmierfilm zwischen Ring und Wand. Zwei Größen zählen:

  • Der Winkel. Zu flach, das Öl bleibt nicht liegen. Zu steil, der Ring schöpft zu viel nach oben, der Motor verbraucht Öl.
  • Die Rauheit. Grob genug, damit sich die Ringe einlaufen können. Fein genug, damit sie nicht verschleißen, bevor sie es tun. Der Ringhersteller gibt die Zielwerte vor.

Bei modernen Ringpaketen ist Plateauhonen die Regel: erst der eigentliche Schnitt, dann ein zweiter, feinerer Durchgang, der die Spitzen abträgt und die Ölriefen stehen lässt. Der Motor ist damit faktisch schon eingelaufen, wenn er zusammengebaut wird.

Kolbenspiel ist keine Tabelle

Das Einbauspiel richtet sich nicht danach, was in irgendeinem Forum steht, sondern nach drei Dingen: dem Kolben, der tatsächlich verbaut wird, dem Material dieses Kolbens und dem geplanten Einsatz.

  1. Der Kolben wird gemessen, nicht angenommen, an der vom Hersteller vorgegebenen Stelle, quer zum Bolzen.
  2. Der Zylinder wird auf dieses Maß gehont, Zylinder für Zylinder, Kolben für Kolben.
  3. Der Einsatz entscheidet über die Toleranz. Geschmiedete Kolben dehnen sich stärker als Gusskolben und brauchen mehr Spiel. Ein Motor, der dauerhaft hoch belastet wird, ebenfalls.

Zu wenig Spiel heißt Fresser. Zu viel Spiel heißt Kolbenkipper, Ölverbrauch und ein Motor, der kalt klappert. Dazwischen liegen keine Millimeter, sondern Hundertstel.

Die Honbrille

Ein Punkt, den viele auslassen: Der Block verformt sich, sobald der Kopf angezogen ist. Wer ohne Honbrille, also ohne aufgeschraubte Platte samt Dichtung, die diesen Zug simuliert, bearbeitet, honte einen Zylinder, den es im Betrieb so nicht gibt. Bei einem Motor, der lange halten soll, gehört das dazu.

Was am Ende zählt

Ein Motor hält nicht, weil teure Teile drin sind. Er hält, weil die Maße zueinander passen und jemand sie aufgeschrieben hat. Deshalb bekommt bei mir jeder Aufbau ein Protokoll, mit den gemessenen Zylindermaßen, den Kolbenmaßen und dem daraus resultierenden Spiel.

Block zur Bearbeitung? Schick die Kolben mit, die verbaut werden sollen, nur dann kann ich das Spiel wirklich anpassen. Auftrag anfragen